19:30 Uhr: Jewgenij, Tragödie des Rechts

Foto: Arian Henning
von Daria Bayer
 
Text und Konzept: Daria Bayer
Regie: Daria Bayer/Philipp Eschenhagen
Assistenz: Elise Drescher
Bühne: Anton von Bredow
Assistenz: Sophie Bimmermann
Kostüm: Lili Avar
Assistenz: Octavia Ullmann
PR: Justus Duhnkrack
Fotos: Arian Henning
 
Mit: Antonia Grosser, Benedikt Bartylla, Britta Boehlke, Leokadia Melchior, Marianne Schuller, Mats Kampen, Nicolas Gerling, Niklas Wolf, Oleg Goldschmidt, Paul Plümpe, Martin Györffy, Marthe Timm u.a.
 
Die Sowjetunion vor der Revolution. Armut, Hungersnot, vom ersten Weltkrieg gebeutelt. Der Zar nimmt der bäuerlichen Landbevölkerung den Großteil ihrer Ernte, es gibt kaum urbane Zentren, Bildung - Fehlanzeige. Unzufriedenheit mit dem feudalen System, der Ausbeutung und Willkürherrschaft des Zaren regt sich unter den Armen und der „Intelligenzija“ – der bürgerlich-gebildeten Oberschicht. Revolution!
Nach dem Sturz des Zaren: Eine Zeit des Aufbruchs, der Veränderung, tabula rasa – das Alte ist abgeschafft, plötzlich scheint alles möglich. Der Preis ist hoch: Tausende Tote, Gewalt, Bürgerkrieg, ein verwüstetes Land. Die Hungersnot wird nicht besser, sondern schlimmer. Ein Zustand, indem der Traum von der Freiheit und der Gewalt Hand in Hand gehen.
 
Das geistige Erbe eines Revolutionärs
In Mitten dieser Zeit betritt Jewgeni Bronislawowitsch Paschukanis die Bühne der politischen Erneuerung. Rechtstheoretiker und Visionär der Sowjetunion. Aber auch: ein moderner Faust, der sich statt der Magie der Ideologie verschrieben hat. Teil jener Kraft, die meint, das Gute zu wollen und dabei das Böse schafft. Ein nach Macht strebender Mensch, wie wir alle. Kein Held, kein Märtyrer, dennoch politisches Opfer stalinistischer Säuberungen – liquidiert, vergessen und verbannt.
 
Paschukanis Thesen stehen für die Tragödie jeder Ideologie, jedes Denkmusters, das – radikal zu Ende gedacht – Macht- und Missbrauchspotenzial offenbart. Heute nennen wir diese Systeme Religion, Alltagsfundamentalismus, Gesundheitswahn und Liberalismus oder Rechtsstaat.
 
Das Ende des Rechtsstaats, es lebe der Rechtsstaat?
Der Rechtsstaat in „Ost“ und „West“ ist gleichermaßen Angriffen ausgesetzt. Was können wir aus der Vergangenheit lernen? Gibt es einen kollektiven Konsens oder spaltet sich die Gesellschaft? Die Frage nach gesellschaftlichen Klassen und die Werteordnung des Humanismus stehen zur Verhandlung.
 
Eine Rechtsstaatskrise ist auch eine gesellschaftliche Krise. Das Recht ist dynamisch. Es passt sich den gesellschaftlichen Leitgedanken an. Werden Minderheiten geschützt oder verfolgt? Wer wird morgen Teil der Minderheit sein? Schutz und Autorität wohnen dem Recht gleichermaßen inne.
 
Labor für neue Perspektive: Kunst und Wissenschaft
Die dramaturgische Stückentwicklung ist Teil eines (juristischen) Promotionsvorhabens an der Universität Hamburg. In einer interdisziplinären Besetzung verschiedener Fachrichtungen und Schauspielern löst die Inszenierung den scheinbaren Widerspruch zwischen Kunst und Wissenschaft auf. Recht und Tragödie vermischen sich und gehen im narrativen Theater auf.
 
Die Produktion wird gefördert durch die Andrea von Braun Stiftung und die ZEIT-Stiftung.
 
Eine Produktion von kiF
 
Kartenpreise:
VVK: 22,70 €, ermäßigt 11,70 € (incl. VVK-Gebühren)
AK: 24 €, ermäßigt 12,50 €

Mi 29.05.19 (Premiere), Do 30.05., Fr 31.05.2019
jeweils um 19:30 Uhr
 

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